Beschreibung*
Erfassung der minimalen/messbaren Resterkrankung (minimal/measurable residual disease, MRD) bei der Haarzellleukämie (HZL) mittels Durchflusszytometrie
Ziel und Zweck der Untersuchung
Die Haarzellleukämie (HZL) ist eine seltene, indolente B-Zell-Neoplasie reifer B-Lymphozyten mit einer Inzidenz von 0,3–0,4 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Die Erkrankung ist durch Zytopenien, Splenomegalie und einer Knochenmarkinfiltration mit „haarigen" Leukämiezellen gekennzeichnet. Die somatische BRAF-V600E-Mutation, die in mindestens 95 % der Fälle nachweisbar ist, gilt als krankheitsdefinierendes genetisches Ereignis. Durchflusszytomerisch erfolgt der Klonalitätsnachweis anhand der Leichtkettenrestriktion sowie dem Nachweis des folgenden typischen Markerprofils: CD19++, CD20 ++, CD103+, CD11c+, LAIR1+, CD123+, CD200+. Die Therapie mit Purinanaloga erzielt Remissionsraten von >95 % und die Lebenserwartung nähert sich der der Normalbevölkerung an. (Onkopedia Leitlinien) Trotz dieser hohen CR-Raten persistiert bei einem relevanten Anteil der Patienten eine messbare Resterkrankung (measurable residual disease, MRD), die mit einem erhöhten Rezidivrisiko assoziiert ist. Neben molekularbiologischen Methoden ist die Flowzytometrie eine kostengünstige und schnelle Methode für die MRD-Messung und weist eine Sensitivität von 10E-4 - 10E-5 auf. Bislang existieren jedoch keine einheitlichen Standards für die MRD-Messung bei der HCL und die klinische Notwenigkeit insbesondere bei Erstlinientherapie bleibt umstritten. (Robak T+P;2022; Front.Oncol.12:976374) Im ZIMCL wird der nach dem EuroFlow Konsortium standarisierte MRD-Ansatz mittels Bulklyse angewandt. Folgende Parameter werden analysiert: CD19, CD20, CD103, LAIR1, CD11c, CD123, CD200, CD81, kappa/lambda, CD45.
Prinzip des Verfahrens
Analyse von Einzelzellen in Suspension auf Grundlage von Streulicht- und Fluoreszenzeigenschaften. Antigene (sogenannte CD-Marker = cluster of differentiation) an der Zelloberfläche und im Zellinneren werden durch fluoreszierende Antikörper markiert, durch einen Hüllstrom (Sheath Flüssigkeit) fokussiert und als Einzelzellen an einer Lichtquelle (Laser) vorbeigeführt. Die dadurch emittierten Lichtsignale werden mit Hilfe verschiedener Photomultiplier (PMTs) in elektronische Signale umgewandelt und als Messdaten gespeichert. Zusätzlich wird die Streuung des Anregungslichtes als Forward Scatter (FSC; entspricht der Größe der Zelle) und Side Scatter (SSC; entspricht in etwa der Granularität und Struktur der Zelle) gemessen. An den im ZIMCL eingesetzten Flowzytometern können durch drei verschieden Laser (488nm (blau), 633nm (rot), 405nm (violett)) acht verschiedene Fluorochrome angeregt werden. Durch die Analyse einer Vielzahl von Zellen können bei der anschließenden Auswertung der Daten verschiedene Zellpopulationen definiert werden. Bei der MRD-Analyse werden aus periph. Blut oder Knochenmarkaspiraten die Leukozytensubpopulationen und Erythropoese relativ zu den Gesamtzellzahl quantifiziert. Durch die Messung von > 1 Million Zellen können Zellpopulationen mit einer Sensitivität von ≤10E-5 % erfasst werden.
Literatur
s. Anhang
Ergebniseinheit
%
Einheiten(sonstige)
Absolut-Resultate: gemessene Events; Relativ-Resultate: % der Gesamtzellzahl
Synonyme
FACS-Analyse; Immunologische Zelltypisierung; Next-Generation Flowcytometry
Analysenfrequenz
täglich, außer Wochenende
Nachforderungsmöglichkeit der Analyse
(Stunden, Tage)
36 h
Spezimen
(Plasma, Serum, Harn)
Knochenmark-Aspirat, periph. Blut
Sammelperiode
nicht zutreffend
Mindestvolumen pro Anforderung vor Zentrifugation
(vor Zentrifugation)
3-5 ml
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe
K-EDTA Monovette
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe(sonstige)
Knochenmark-Spritze mit Heparin oder EDTA
Spezielle Präanalytik - Probentransport
- mind. 3-5 ml EDTA-Blut, bei niedriger Leukozytenzahl mehr bzw. 2 Röhrchen - Knochenmarkpunktion; Transport durch BMA bzw. Postversand bei Raumtemperatur - Für eine gute Probenqualität sollte immer das erste Knochenmarkaspirat für die MRD Diagnostik verwendet werden! - Es sollten nicht mehr als 3-5 ml Knochenmark aspiriert werden, um einen zu starken Verdünnungseffekt durch Markblut zu vermeiden! - Die Probe sollte max. 36h alt sein. - Die Proben sollten bei Raumtemperatur gelagert werden. - Die Sensitivität kann bei zellarmen Proben geringer sein, da teilweise die maximale Eventzahl einer Messung nicht erreicht wird.
Messbereich
Analyt- und Epitopspezifisch
Allgemeine Störungen
(z.B. Lipämie, Hämolyse, Bilirubinämie)
- schlechte Probenqualität durch nicht lysierbare Erythrozyten und hohen Anteil an Zelldebris - alte Probe >48h - verdünntes KM-Material durch Markblut
Kreuzreaktionen
(z.B. immunologisch)
unspezifische Bindung der Antikörper möglich, oft patientenspezifisch
Kennzeichnung des Analyse-Verfahrens nach MPG / IVDR
Analyse-Gerät, Reagenzien und Antikörper meist CE-IVD-zertifiziert
Für die zur Verfügung gestellten Informationen kann keinerlei Gewähr im Hinblick auf Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität übernommen werden. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind ausgeschlossen. Die Verwendung und Nutzung der Zusammenstellungen liegt daher alleine im Verantwortungsbereich des Anwenders/der Anwenderin, welche(r) das ZIMCL/tirol kliniken gegenüber Ansprüchen Dritter schad- und klaglos halten wird.