Beschreibung*
Bestimmung von Metanephrin im 24h-Harn mittels HPLC-ECD
Ziel und Zweck der Untersuchung
Als Metanephrin und Normetanephrin bezeichnet man hormonell inaktive Abbauprodukte der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin, welche durch das Enzym COMT (Catechol-O-Methyltransferase) gebildet werden. Ihr Hauptsyntheseort sind die chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks; Ein Teil des Normetanephrins in der Zirkulation stammt aus extraneuronalen Zellen, welche neuronales Noradrenalin verstoffwechseln. Beim Vorliegen von Katecholamin-produzierenden intraadrenalen oder extraadrenalen Tumoren der chromaffinen Zellen kommt es in der Regel zu einem stetigen Ausscheiden großer Metanephrin- und Normetanephrinmengen in die Zirkulation. Da in der sympathischen Zelle COMT fehlt, sind Metanephrin und Normetanephrin relativ spezifische Marker für Katecholamine in chromaffinen Zellen und deren embryonalen Vorläuferzellen. Die verwendete Bestimmungsmethode im Harn erfasst sowohl freie als auch glukuronierte/sulfatisierte Formen und unterstützt die Diagnosestellung und Verlaufsbeurteilung von Tumoren des sympatho-adrenalen Systems. Der Test eignet sich nicht zum Nachweis neuroendokriner Neoplasmen, die biochemisch stumm, nicht funktionsfähig bzw. nicht sezernierend sind. Ergebnisse bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion können unzuverlässig sein, da die eingeschränkte Nierenfunktion die Urinausscheidung beeinflusst. Erhöhte Werte können auch ernährungsbedingt (siehe Präanalytik!), durch Rauchen oder manche Medikamente verursacht werden. Patienten mit den folgenden Erkrankungen können höhere Metanephrinwerte aufweisen: Pseudophäochromozytom und Schmerzen.
Prinzip des Verfahrens
Nach der sauren Hydrolyse der Analyten mit anschliessender Neutralisation erfolgt eine Aufreinigung über Ionentauscher-Säulchen. Das Eluat wird angesäuert und in das HPLC-ECD-System injiziert. Arbeitspotential ECD: zwischen +780 mV und +840 mV
Literatur
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Ergebniseinheit
Einheiten(sonstige)
µg/24h
Synonyme
3-Methoxyadrenalin
Analysenfrequenz
1x pro Woche
Nachforderungsmöglichkeit der Analyse
(Stunden, Tage)
7 Tage, sofern ein zweites Aliquot vorhanden ist.
Spezimen
(Plasma, Serum, Harn)
24h-Sammelharn ohne Zusätze
Sammelperiode
24 Stunden
Mindestvolumen pro Anforderung vor Zentrifugation
(vor Zentrifugation)
10 ml
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe(sonstige)
Verschließbarer sauberer Sammelbehälter ohne Zusätze. Bei gleichzeitiger Bestimmung der Katecholamine im Harn: Sammelbehälter mit Salzsäurezusatz (Uriset 24 der Firma Sarstedt)
Spezielle Präanalytik - Probentransport
Patienten sollten angewiesen werden mindestens 3 Tage vor und während der Urinsammlung auf Rauchen, Alkohol- und Koffeinkonsum zu verzichten, und mindestens 8 bis 12 Stunden vor und während der Urinsammlung katecholaminreiche Lebensmittel (Bohnen, Fruchtsäfte, Kartoffeln, Rotwein, Tomaten, Mandeln, Bananen, schwarzer Tee, Käse, Schokolade, Eier, Nüsse oder Vanille) zu meiden. Auch manche Medikamente können den Metanephrin/Normetanephrin-Spiegel beeinflussen - siehe Literatur (z.B.: Eisenhofer et al., Endocrine Reviews 2023; 44(5):862–909 und Grouzmann et al., Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2013; 27(5):713-723) Intern: Rohrpost (Lichtschutz!) Extern: Gekühlt und lichtgeschützt bei +2 bis +8 °C versenden (Haltbarkeit 4 Wochen)
Messbereich
5,2 – 5900 µg/L
Allgemeine Störungen
(z.B. Lipämie, Hämolyse, Bilirubinämie)
keine Angaben durch den Hersteller
Kreuzreaktionen
(z.B. immunologisch)
Das Vorhandensein der folgenden Substanzen kann die Genauigkeit der Testergebnisse um > 15 % beeinträchtigen oder Störpeaks verursachen. Amoxicillin (Antibiotikum) und Dihydralazin (blutdrucksenkendes Medikament) verursachen mehrere zusätzliche Peaks. Die Genauigkeit aller Analyten Ergebnisse kann beeinträchtigt sein. Dopamin (Neurotransmitter) verursacht zusätzliche Peaks, einen bei der Retentionszeit von Metanephrin und einen ca. 0,2 min nach ISTD 1. Dopaminkonzentrationen > 7,11 mg/L können Metanephrin Ergebnisse, Konzentrationen > 28,4 mg/L können die Testergebnisse aller Analyten beeinflussen. Methenamin (Urotropin, antiseptischer und antibakterieller Arzneistoff), verursacht mehrere zusätzliche Peaks und führt zur Signalunterdrückung. Die Genauigkeit aller Analyten Ergebnisse kann beeinträchtigt werden. Serotonin (Neurotransmitter) interferiert mit dem internen Standard. Serotoninkonzentrationen über 2,24 mg/l können die Konzentration der Testergebnisse beeinflussen. Der interne Standard (4-Hydroxy-3-methoxybenzylamin, HMBA, ISTD 1) ist eine natürlich vorkommende Substanz, die durch bestimmte Ernährungsgewohnheiten (Capsaicin ist ein Fettsäureamid von HMBA) erhöht sein kann. Dies kann zu falsch niedrigen Metanephrinkonzentrationen führen.
Kennzeichnung des Analyse-Verfahrens nach MPG / IVDR
IVDR, Risikoklasse C
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