Beschreibung*
Bestimmung von Noradrenalin/Creatinin im Spontanharn mittels HPLC-ECD
Ziel und Zweck der Untersuchung
Die Gruppe der Katecholamine umfasst die aromatischen Amine Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin, welche über mehrere enzymatische Schritte aus der Aminosäure Tyrosin gebildet werden. Der Hauptsyntheseort des Noradrenalins sind die sympathischen Nervenendigungen, während Adrenalin überwiegend im Nebennierenmark synthetisiert wird. Die Bestimmung der Katecholamine ist für die Diagnostik und Verlaufsbeurteilung von Tumoren des sympatho-adrenalen Systems von Bedeutung. Die Folge der verstärkten Synthese und direkten Freisetzung durch Tumore ist eine erhöhte Konzentration von Katecholaminen und ihrer Metaboliten (Metanephrine) im Plasma bzw. eine erhöhte Ausscheidung im Urin. Erhöhte Noradrenalinwerte können aber auch bei flgenden Erkrankungen auftreten: Ischämische Herzkrankhe it, Alkoholentzugssyndrom, Mitralklappenprolaps, posturalesorthostatisches Tachykardiesyndrom, akuter ischämischer Schlaganfall, akutes Baroreflexversagen, GuillainBarré-Syndrom, Dumping-Syndrom, Herzinsuffizienz, zyanotische angeborene Herzkrankheit, SchlafapnoeSyndrom, Nierenversagen, Akrodynie (Quecksilbervergiftung), akute intrazerebrale Blutung und Schmerzen. Zudem können auch manche Lebensmittel (siehe Präanalytik!), Rauchen oder gewisse Medikamente zu erhöhten Werten führen. Der Test eignet sich nicht zum Nachweis neuroendokriner Neoplasmen, die biochemisch stumm, nicht funktionsfähig bzw. nicht sezernierend sind. Ergebnisse bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion können unzuverlässig sein, da die eingeschränkte Nierenfunktion die Urinausscheidung beeinflusst.
Prinzip des Verfahrens
Nach der Neutralisation der Urinprobe erfolgt eine Aufreinigung über Ionentauscher-Säulchen mit anschließender Elution. Das angesäuerte Eluat wird in das HPLC-ECD System injiziert. Arbeitspotential: zwischen +580 mV und +640 mV
Literatur
Lenz. T, Gossmann J. et al.: Diagnosis of Pheochromocytoma; Clin. Lab., 48, 5-18 (2002). Labor und Diagnose (2008): Hrsg. Lothar Thomas, 7.Aufl., TH-Books Hernandez F. C., Sanchez M. et al.: A Five-Year Report on Experience in the Detection of Pheochromocytoma; Clin. Biochem., 33 (8), 649-655 (2000). Gerlo E. A., Sevens C.: Urinary and Plasma Catecholamines and Urinary Catecholamine Metabolites in Pheochromocytoma: Diagnostic Value in 19 Cases; Clin. Chem., 40 (2), 250-256 (1994). Héron E. Chatellier G. et al.: The Urinary Metanephrine-to-Creatinine Ratio for the Diagnosis of Pheochromocytoma; Ann. Intern. Med., 125, 300-303 (1996). Witteles R. M., Edwin B.A. et al.: Sensitivity of Diagnostic and Localization Tests for Pheochromocytoma in Clinical Practice; Arch. Intern. Med., 160, 2521-2524 (2000). Van Duinen N. et al.: Increased urinary excretion of 3-methoxtyramine in patients with head and neck paragangliomas; J. Clin. Endocrinol. Metab., 95 (1), 209-214 (2010). Pacak K. et al.: Pheochromocytoma: recommendations for clinical practice from the First International Symposium; Nat.Clin.Prac.Endocrin Metab., 3 (2), 92-102 (2007). Eisenhofer G. et al.: Biochemical Diagnosis of Pheochromocytoma: How to distinguish true- from false-positive test results; J. Clin. Endocrinol. Metab., 88(6), 2656-2666 (2003). Lenders, J.W.M. et. Al.: Biochemical Diagnosis of Pheochromocytoma: Which test is best?; JAMA 287 (20), 1427-1434 (2002). Barron, J. Phaechromocytoma: diagnostic challenges for biochemical screening and diagnosis. J.Clin Pathol 63, 669 - 674 (2010). Eisenhofer G. et al.:Biochemical Assessment of Pheochromocytoma and Paraganglioma; Endocrine Reviews, 2023, 00, 1–48
Ergebniseinheit
Einheiten(sonstige)
µg/g Creatinin
Synonyme
Norepinephrin
Analysenfrequenz
1 x pro Woche
Nachforderungsmöglichkeit der Analyse
(Stunden, Tage)
7 Tage, sofern ein zweites Aliquot vorhanden ist.
Spezimen
(Plasma, Serum, Harn)
Harn
Sammelperiode
keine
Mindestvolumen pro Anforderung vor Zentrifugation
(vor Zentrifugation)
10 ml
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe
Urin Monovette
Abnahmegefäß inkl. Zusatzstoffe(sonstige)
keine
Spezielle Präanalytik - Probentransport
Patienten sollten angewiesen werden, mindestens 8 bis 12 Stunden vor und während der Urinsammlung auf Rauchen, Alkohol- und Koffeinkonsum zu verzichten und katecholamin- oder tyraminreiche Lebensmittel (Bananen, Bohnen, Fruchtsäfte, Nüsse, Kartoffeln oder Tomaten) zu meiden. Insbesondere Nikotin und Koffein sind dafür bekannt, den Adrenalinspiegel zu erhöhen, ebenso wie Hartkäse und Rotwein dafür bekannt sind, den Noradrenalinspiegel zu erhöhen. Auch manche Medikamente können den Katecholaminspiegel beeinflussen - siehe Literatur (z.B.: Eisenhofer et al., Endocrine Reviews 2023; 44(5):862–909 und Grouzmann et al., Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2013; 27(5):713-723) Intern: Rohrpost (Lichtschutz!) Extern: Gekühlt und lichtgeschützt bei +2 bis +8 °C versenden (Haltbarkeit 4 Wochen)
Messbereich
2,7 – 1000 µgL
Allgemeine Störungen
(z.B. Lipämie, Hämolyse, Bilirubinämie)
keine Angaben des Herstellers
Kreuzreaktionen
(z.B. immunologisch)
Das Vorhandensein der folgenden Substanzen kann die Genauigkeit der Testergebnisse um > 15 % beeinträchtigen oder Störpeaks verursachen: Adenosin, ein Arzneistoff gegen Herzrhythmusstörungen, wurde bei der ersten Injektion nicht als Interferenz beobachtet. Es eluiert jedoch nach 11 bis 12 Minuten als kleiner Peak und kann die Genauigkeit der Testergebnisse bei einer nachfolgenden Injektion beeinträchtigen. Dihydralazin, ein blutdrucksenkender Arzneistoff, wurde bei der ersten Injektion nicht als Interferenz beobachtet. Es eluiert jedoch nach 9 bis 10 Minuten und kann die Genauigkeit der Testergebnisse bei einer nachfolgenden Injektion beeinträchtigen. L-Dopa (Levodopa), ein Vorläufer der Katecholamine und ein Arzneistoff zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, verursacht einen Peak 0,2 Minuten nach dem internen Standard. Die Genauigkeit der Testergebnisse kann beeinträchtigt werden. 4-Hydroxy-3-methoxymethamphetamin (HMMA), ein Metabolit von 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA), verursacht einen spät eluierenden Peak nach 31 bis 33 Minuten. Daher kann HMMA im folgenden chromatographischen Lauf stören und die Genauigkeit der Testergebnisse beeinträchtigen. Hydralazin, ein blutdrucksenkender Arzneistoff, wurde bei der ersten Injektion nicht als Interferenz beobachtet. Es eluiert jedoch nach 11 bis 12 Minuten und kann die Genauigkeit der Testergebnisse bei einer nachfolgenden Injektion beeinträchtigen. Metformin, ein Arzneistoff zur Behandlung von Diabetes, führt zu einer Signalunterdrückung bei derRetentionszeit von Adrenalin, was die Genauigkeit der Testergebnisse beeinträchtigen kann. Der Neurotransmitter Serotonin wurde bei der ersten Injektion nicht als Interferenz beobachtet. Er eluiert jedoch nach 12 bis 13 Minuten und kann die Genauigkeit der Testergebnisse bei einer nachfolgenden Injektion beeinträchtigen.
Kennzeichnung des Analyse-Verfahrens nach MPG / IVDR
IVDR-Zertifikat der Firma Chromsystems vom 18.12.2024
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