Probengewinnung

Allgemeine Informationen

 

Bei der Probennahme muss grundsätzlich Folgendes berücksichtigt werden:

► Bekleben der Abnahmegefäße mit den entsprechenden Barcode-Etiketten vor der Probennahme (Dies gilt auch und insbesondere für die Probengewinnung in Harnbecher und Harnsammelgefäße, da hier eine große Verwechslungsgefahr besteht.)
► Sicherstellen der Übereinstimmung der Patientenidentität mit den Etiketten auf den Abnahmegefäßen vor der Blutentnahme durch den verantwortlichen Arzt
► Berücksichtigung der Tageszeit bzw. der zirkadianen Rhythmik: Die Probennahme sollte morgens zwischen 7 und 9 Uhr erfolgen (Voraussetzung für die Vergleichbarkeit mit Referenzwerten); Dies gilt u.a. insbesondere für folgende Analysen:
     ► ACTH
     ► Aldosteron
     ► Crosslaps
     ► Interleukin-6
     ► Kortisol
     ► Natrium im Urin
     ► Noradrenalin
     ► Osteocalcin
     ► Osteoprotegerin
     ► Parathormon
     ► Phosphat im Urin
     ► Prolaktin
     ► Renin
     ► Somatotropin
     ► TRAP-5b
     ► 1,25-Dihydroxy-Vitamin D
► Berücksichtigen der Ernährung (s. „Vorbereitung des Patienten auf die Probengewinnung“)
► Berücksichtigen des Zeitpunkts der Medikamentengabe bei Medikamentenbestimmungen (Spitzen- / Tal-Konzentrationen)
► Vermeiden von körperlicher Aktivität vor der Probengewinnung und Berücksichten der Körperlage bei der Probengewinnung (s. „Vorbereitung des Patienten auf die Probengewinnung“)
► Vermeiden eines vorhergegangenen Alkoholexzesses (s. „Vorbereitung des Patienten auf die Probengewinnung“)
► Füllung aller Abnahmegefäße bis zum Eichstrich (Sowohl Unter- als auch Überfüllung kann zu erheblichen Verfälschungen der Resultate führen. So ist z.B. bei Citrat-Abnahmegefäßen die Menge des im Abnahmegefäß vorhandenen Citrats genau auf die Menge des zu neutralisierenden Calciums in der Probe und im Gerinnungsreagenz abgestimmt; Ein Überschuss oder Mangel an Citrat durch ungenügende oder übermäßige Füllung des Gefäßes führt zu Verfälschungen der Gerinnungsanalyse, welche umso stärker ausfallen, wie die Gerinnung selbst gestört ist.)
► Konsequentes Mischen der Proben unmittelbar nach der Entnahme durch mehrmaliges Schwenken (nicht Schütteln!) der Abnahmegefäße über Kopf
► Unverzüglicher Transport der Proben ins Labor; Keine nachträgliche Manipulation oder Zwischenlagerung der Proben (Lagerung führt zu Veränderungen von Laborwerten):
     ► Eine entnommene Probe darf niemals in ein anderes Abnahmegefäß umgefüllt oder auf mehrere andere Abnahmegefäße aufgeteilt werden (Gefahr von Interferenzen und Verfälschungen bei der Analyse).
     ► Eine Probe darf nicht an Orten erhöhter Temperatur (z.B. sonnenexponierte Ablage, Fensterbrett, Heizkörper) zwischengelagert werden.
     ► Sofern nicht anders angegeben, darf eine Probe nicht im Kühlschrank oder Tiefkühlschrank zwischengelagert werden (Gefahr der Hämolyse); Dies gilt insbesondere für eine Probe zur Analyse von Renin (Kryoaktivierung von Prorenin).
► Bei der Verwendung von Serum-Abnahmegefäßen Berücksichtigen des für den Gerinnungsvorgang erforderlichen Zeitraums von 30 bis 60 Minuten vor der Weiterverarbeitung der Probe, bei Patienten mit therapeutischer Heparinisierung jedoch länger
► Abnahmegefäße dürfen nicht geöffnet werden; Dies gilt insbesondere für Abnahmegefäße, aus denen genetische Analysen durchgeführt werden.

 

Periphere Venenpunktion 

 

Bei der Probennahme aus peripherem Blut muss Folgendes berücksichtigt werden:

► Berücksichtigen der Raumtemperatur (Vermeidung einer Zentralisation)
► Keine Blutentnahme aus einem Arm, an dem eine Infusion läuft (Gefahr der Verdünnung)
► Keine Blutentnahme aus einem liegenden Katheter oder proximal davon (Gefahr der Kontamination):
     ► Verweilkatheter sind nur eingeschränkt verwendbar. Wenn die Benutzung eines liegenden Zuganges nicht zu vermeiden ist, muss ausreichend gespült werden: Die ersten 10 ml des entnommenen Blutes sind zu verwerfen.
     ► Ein Katheter, über den Heparin, Fettlösungen, hochprozentige Glukose- oder Nährlösungen sowie Röntgenkontrastmittel appliziert wurden, kann grundsätzlich nicht verwendet werden (Gefahr einer Kontamination, da diese Substanzen nicht aus dem Katheter entfernbar sind).
     ► Ein Katheter, über den Medikamente appliziert wurden, kann für Medikamentenbestimmungen grundsätzlich nicht verwendet werden.
► Aufsuchen einer gut palpablen Armvene mit möglichst großen Volumen
► Reinigen der Punktionsstelle mit Desinfektionsmittel; Trocknen lassen vor der Punktion (Vermeidung einer Kontamination)
► Kanüle nicht zu klein und nicht zu scharf (Zu kleine Kanülen verzögern den Blutfluss.)
► Schlauchsegment nicht zu lang (Vermeidung einer Gerinnungsaktivierung)
► Stauung 10 - 15 cm oberhalb der Punktionsstelle kurz vor der Punktion für maximal 1 Minute einschließlich der Blutentnahme; Sobald die Vene punktiert ist, sollte die Stauung gelöst werden. (Durch zu langes Stauen kommt es zur Freisetzung von Gewebsthromboplastinen, zu Hämolyse, Zellnekrosen, Hämokonzentration und Ischämie und damit zu falschen Resultaten, z.B. von GPT, CK, LDH, Laktat und Gerinnungsparametern.)
► Atraumatische Blutentnahme: ohne Klopfen, Pumpen, Ballen der Faust oder Stochern im Gewebe (Durch Gewebstraumata kommt es zur Freisetzung von Gewebsthromboplastinen, zu Hämolyse, Zelluntergang.)
► Vermeiden von forciertem Ziehen; Der Aspirationsunterdruck sollte nur leicht appliziert werden (Gefahr der Hämolyse und Proteindenaturierung).
► Einhalten der empfohlenen Reihenfolge der Blutentnahme: 1. Blutkultur, 2. Serum bzw. Verwurf-Abnahmegefäß,  3. Citrat, 4. Heparin, 5. EDTA, 6. andere (z.B. Lactat);
@1. Das Einbringen von Luft in die anaerobe Blutkulturflasche ist unbedingt zu vermeiden.
@2.+3. Vor der Abnahme in ein Citrat-Abnahmegefäß sollte immer die Abnahme in ein anderes Röhrchen erfolgen, auch wenn dieses verworfen werden muss. (Störeinflüsse durch Freisetzung von Gewebsthromboplastinen, Hämolyse, Kontamination)
► Falls die Blutentnahme wiederholt werden muss, Punktion am anderen Arm

Literatur:
A. von Meyer et al. Standard-Arbeitsanleitung zur peripher venösen Blutentnahme für die labormedizinische Diagnostik. LaboratoriumsMedizin  2017, 41: 333–340.

 

Probennahme aus Urin

 

Bei der Probennahme aus Urin muss Folgendes berücksichtigt werden:

► Korrekte Auswahl des erforderlichen Materials:
     ► Spontanharn: Einmalige Probengewinnung ohne Definition von Zeitpunkt und Volumen und ohne Patientenvorbereitung; Anwendung nur, wenn eine sofortige Analyse erforderlich ist; Kontrolle durch eine nachfolgende Analyse von Morgenharn empfehlenswert
     ► Erster Morgenharn bzw. früher Morgenharn: Einmalige Probengewinnung unmittelbar nach der Bettruhe vor Nahrungsaufnahme und körperlicher Aktivität
     ► Zweiter Morgenharn: Einmalige Probengewinnung 2 - 4 Stunden nach dem ersten Morgenharn, ggf. nach Nahrungsaufnahme und körperlicher Aktivität
     ► Sammelharn: Probensammlung über einen definierten Zeitraum, in der Regel 24 Stunden
     ► Mittelstrahlharn: Probengewinnung, bei der die erste Harnportion nicht gesammelt wird, anschließend 50 - 100 ml Harn in das Probengefäß gelangen und die restliche Harnportion wiederum verworfen wird (Reduzieren der Kontamination)
     ► Harn aus einem Katheter
     ► Harn aus einem Harnbeutel
     ► Harn durch perkutane suprapubische Punktion
► Reinigung der Hände und des äußeren Genitales; Dabei darf ausschließlich Wasser, nicht jedoch Seife oder Desinfektionsmittel verwendet werden (Vermeidung einer Beeinflussung der Viabilität von Bakterien).
► Verwenden von sauberen Harnbechern; Sofern kein unmittelbares Überführen des Urins aus dem Harnbecher in die Harnmonovette möglich ist, müssen spezielle sterile, verschließbare Harnbecher verwendet werden; Beim Verwenden von Harnbechern ist Folgendes zu beachten:
     ► Innenseite der Becher und Deckel nicht berühren (Vermeiden einer Kontamination)
     ► Sofortiges Verschließen der Harnbecher nach der Füllung (Vermeiden einer Kontamination durch Staub, Pollen usw.)
     ► Konsequentes Mischen des Urins durch mehrmaliges Schwenken des Harnbechers vor dem Überführen der Probe aus dem Harnbecher in das Urin-Abnahmegefäß (Aufmischen von bereits ausgefallenem Sediment)
     ► Nähere Informationen: Harn Präanalytik (Harnstatus / Harnsediment)
► Für Analysen aus Sammelharn stehen spezielle Harnsammelbehälter zur Verfügung.

 

Spezielle Regelungen

 

Spezielle Regelungen gelten für folgende Analysen:

► Für die Analyse von Beta-Trace-Protein (BTP) müssen sowohl eine Serum-Probe als auch eine Sekret-Probe gewonnen werden.
► Für die Analyse von Chymotrypsin im Stuhl muss ein spezielles Abnahmesystem verwendet werden, das vom Labor bereitgestellt wird.
► Für die Probennahme für die Analyse von Glucagon müssen vom Labor vorpräparierte und in Eiswasser gekühlte Abnahmegefäße verwendet werden: Glucagon – Präanalytik
► Für die Probennahme für die Analyse von Kryoglobulinen und Kryofibrinogen müssen vorgewärmte Abnahmegefäße verwendet werden: Information Kryoglobuline / Kryofibrinogen; Präanalytik Kryoglobuline / Kryofibrinogen für Klinik-interne Einsender; Präanalytik Kryoglobuline / Kryofibrinogen für externe Einsender
► Für die Probennahme für die Analyse von Vasoaktivem Intestinalen Polypeptid (VIP) müssen vom Labor vorpräparierte Abnahmegefäße verwendet werden: Vasoaktives Intestinales Polypeptid – Präanalytik
► Für Patienten mit hohem Hämatokrit muss für Analysen aus Citratplasma vor der Probennahme eine entsprechende Citrat-Anpassung durchgeführt werden bzw. kann ein vom Labor bereitgestelltes Citrat-Abnahmegefäß verwendet werden, das einer solchen Anpassung unterzogen wurde.

 

Stand Präanalytik: 09.01.2018
Version dieser Seite: 13, letzte Änderung am 09.01.2018 um 12:06 Uhr

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